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Arten von Stipendien – im Dschungel der Fördermittel

Wer Stipendium sagt, meint meistens Geld. Doch nicht immer besteht ein Stipendium allein aus Geld. Ebenso werden Atelierplätze für Künstler, Praktika oder Zugang zu renommierten Forschungsanstalten angeboten. Woraus sich ein Stipendium genau zusammensetzt, unter welchen Bedingungen es vergeben wird und wie großzügig es ausfällt, hängt vom den Stipendienträgern ab.

Stipendien im Hochschulbereich

Das Bundeministerium für Bildung und Forschung schreibt eine Vielzahl von Stipendien für Studierende und Promovenden, also Studenten in der Promovierungsphase, aus. Die Ausschreibung erfolgt über zwölf vom Bundesministerium anerkannte Förderungswerke: die Studienstiftung des deutschen Volkes, die Heinrich Böll-Stiftung, die Friedrich Ebert-Stiftung, die Stiftung der Deutschen Wirtschaft, die Hans Böckler-Stiftung, das Evangelische Studentenwerk Villingst, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Hannes Seidel-Stiftung, das Ernst Ludwig Ehrlich-Studienwerk, die Konrad Adenauer-Stiftung, die Friedrich Naumann-Stiftung und das Cusanuswerk.

Was bieten die Förderungswerke an? Auf der einen Seite Geld. Zunächst gibt es für Studierende ein Grundstipendium, dessen Höhe vom Einkommen des Studenten, seiner Eltern oder des Ehegatten abhängt. Zusätzlich gibt es Büchergeld. Promovenden erhalten ein deutlich höheres Stipendium und eventuell eine Forschungskostenpauschale. Alle Förderwerke begrüßen es, wenn Abiturienten für das Studium eine Universität im Ausland anpeilen. Für diese Studenten ist die Finanzierung von Sprachkursen und Praktika möglich. Im Ausland anfallende Studiengebühren werden bis zu einer festgesetzten Höhe ebenfalls bezahlt.

Weiterhin bieten die Förderwerke beratende Studienbegleitung durch Vertrauensdozenten am Studienort an. Studenten können sich außerdem in Seminaren und Tagungen, unabhängig von ihren Studienfächern, weiterbilden und orientieren. Stipendiaten werden auch nach Abschluss des Studiums weiter betreut. Sie können sich in Berufsnetzwerken engagieren und sich weiterhin mit ihrem Förderwerk austauschen.

Sportstipendien

Deutschland ist kein bedeutendes Sportförderungsland. Sportstipendien werden daher häufig für Studienaufenthalte in den USA beantragt. Das liegt daran, dass die dortigen Universitäten schon immer sehr sportverbunden waren und die Studenten Sport und Studium ideal miteinander verbinden können. Universitäts-Sportmannschaften genießen in Amerika ein hohes Ansehen, verleihen ihrer Universität Attraktivität und dienen ihr als Werbemittel. Es gibt im Sportbereich Voll- und Teilstipendien. Vollstipendien decken sämtliche Kosten, wie Studiengebühren, Unterkunft und Verpflegung ab. Bei Sportstipendien haben Frauen oft die besseren Chancen, ein Vollstipendium zu erhalten. Meistens werden Stipendien von den Sporttrainern der Universitäten gestiftet oder organisiert. Trotzdem ist es wenig aussichtsreich, die Bewerbung direkt an sie zu richten. Eine ganze Reihe von privaten Agenturen hat sich auf diesem Sektor ausgebreitet. Die Agenturen halten Kontakt zu amerikanischen Sport-Coaches und übernehmen für diese die Vorauswahl von Stipendiumbewerbern. Wie erfolgreich und seriös jede Agentur ist, das muss der Bewerber selbst herausfinden. Manche Agenturen arbeiten mit einer sehr reduzierten Anzahl von Universitäten zusammen. Wer sich als Bewerber von einer Agentur nicht adäquat repräsentiert fühlt, sollte die Agentur wechseln.

Kuriose Stipendien

Hat da jemand behauptet, es gäbe Stipendien nur zum Pauken? Irrtum! Die schleswig-holsteinische Yak-Kamel-Stiftung belohnt jedes Jahr fachkundige Veröffentlichungen über Kamele und Yaks mit drei Geldpreisen von 1000, 500 und 250 Euro. Sollte dies als Ansporn für Biologen zu interpretieren sein?

Privat kann Stipendien anbieten, wer sich bemüßigt fühlt. Eine Gruppe weiblicher Künstlerinnen bot als Stipendium zwei Wochen in einem Schrank an. Die vier Frauen wollten damit auf die prekäre Situation von Künstlern aufmerksam machen, weil im Kunstbereich kaum Stipendien und noch weniger Geldstipendien vergeben werden. Ein Künstler nahm sie beim Wort und quartierte sich zwei Wochen im besagten Schrank ein. Das Ergebnis der Klausur ist unbekannt.

Foto: Andrey Kiselev – Fotolia.com

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