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Das Rechtssystem der USA

Das Rechtssystem der USA

Das Rechtssystem der USA mutet für viele Deutsche häufig unverständlich an. Es besteht ein immenser Unterschied zwischen dem Rechtsverständnis und dem Finden des Rechts in beiden Staaten. In Deutschland werden Fälle nach allgemeinen Regeln behandelt. Diese Variante geht auf das römische Rechtssystem zurück.

Regelungen des Rechtssystems

Es werden allgemeine Regeln aufgestellt, die der judikativen Gewalt einen großen Spielraum zulassen. In den USA wird jeder Fall eigenständig behandelt. Auch die Rolle des Richters fällt in beiden Staaten höchst unterschiedlich aus. In Deutschland ist der Richter allein für das Urteil zuständig. Er selbst bildet sich eine Meinung zu dem Fall, orientiert sich am gesetzlichen Rahmen und trifft eine Entscheidung. In den USA verhält sich der Richter eher passiv. Es hat den Anschein, als säße er nur auf seinem Platz, um die Konversation der Parteien nicht ausarten zu lassen. Die Verhandlung selbst obliegt den Parteien. Sie handeln gewissermaßen das Ergebnis aus, dem der Richter im Endeffekt lediglich zustimmt. Während man in Deutschland in der Regel recht schnell eine Aussage zum Ausgang des Prozesses treffen kann, bleibt das Urteil in den USA fast bis zuletzt eine schwer vorhersehbare Sache.

Die Organisation

Aufgrund der völlig anderen Vorgehensweise ist das Rechtssystem der USA anders aufgebaut als das uns geläufige in Deutschland. Die Organisation des Gerichtswesens wird entgegengesetzt dem Unsrigen gehandhabt. Die Verfahrensordnung, das Besetzen der Richterstellen und die Untersuchung des Instanzenwegs weisen erhebliche Unterschiede auf. Ein Gerichtsprozess in den USA erweckt oft den Anschein, als gelte es, eine Repräsentation durchzuführen und genau das ist es auch.

Die Rolle der Geschworenen

Die Geschworenen erfüllen im Rechtssystem der USA eine wesentliche Rolle. Sie sind für die Schuldig- oder Nichtschuldigsprechung des Angeklagten zuständig. Für die Anwälte der Parteien bedeutet dies in erster Linie, dass sie den Geschworenen ihren Standpunkt verständlich machen und diese zu guter Letzt davon überzeugen müssen. Bei den Anwälten kommt es daher nicht unbedingt auf ihr Wissen auf dem Gebiet des Rechts an, sie müssen rhetorisch gewandt, also gewissermaßen große Redner, sein. Auch psychologisch können die Anwälte auf die Geschworenen und den Richter Einfluss nehmen. Darin besteht eine große Gefahr. Da die USA die mächtigste Macht der Welt ist, kann es vorkommen, dass in einem Prozess plötzlich persönliche Interessen im Vordergrund stehen und der Angeklagte nur zufällig Opfer geworden ist. Das kann zum Beispiel während der Wahlperioden der Fall sein oder wenn es um wirtschaftliche Interessen geht.

Die Rolle der Richter

Das Fehlen allgemeingültiger Gesetze kann unter Umständen dazu führen, dass der Richter sein persönliches Empfinden und ihm wichtige Wertmaßstäbe als Grundlage nimmt. Zwar wird bei jedem Fall nach ähnlichen Fällen gesucht und die in diesen ergangenen Urteile zur Basis genommen, fehlt allerdings eine solche, so muss der Richter eine eigene Entscheidung treffen. Da die Richter in der Regel von Parteiangehörigen nominiert werden, ist der Richter so etwas wie deren persönliches Handwerkszeug. Durch die Nominierung eines Richters wird die Richtung angegeben, in die sich unter der Führung des jeweiligen Politikers das Rechtssystem entwickeln soll. Es ist nicht auszuschließen, dass die Richter daher unter anderem für den Wahlkampf genutzt werden. Allerdings ist die Rolle des Richters längst nicht in der Art wichtig, wie wir sie aus unserem Land kennen. Interessantes zur deutschen Rechtsprechung finden Sie auf www.heldt-zuelch.de .

Foto: Marco Rullkötter – Fotolia

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