Wie treibt man Schulden bei Freunden ein?

Berlin – Manche Frage traut man sich kaum zu stellen – nicht einmal dem Partner, und auch nicht einem Arzt oder Anwalt.

Das Thema ist unangenehm, der Einblick in die persönlichen Lebensumstände könnte peinlich und tief werden, vielleicht drohen sogar rechtliche Konsequenzen. Doch wie gut, dass einen Freund gerade ganz genau dasselbe Problem beschäftigt. Fragen wir also doch mal für ihn…

Die Frage heute: Mein Freund ist genervt, weil er einem anderen Freund Geld geliehen hat und dieser es aber nicht zurückgibt. Wie treibt er am besten die Schulden ein?

Die Antwort: Das kommt auf die Summe an, sagt Frank Wiedenhaupt von der Schuldner- und Insolvenzberatung der Berliner Stadtmission. Bei kleinen Beträgen, etwa von einem Bier in einer Kneipe, sollte der Freund darüber hinwegsehen. Wenn es immer wieder mal vorkommt, könne er das ansprechen, indem er etwa sagt: «Jetzt ist mal Schluss. Dann musst du in der Kneipe eben heute trocken ausgehen.» Eine gute Freundschaft halte das aus, meint Wiedenhaupt.

Geht es um größere Summen, sollte er nachhaken. Es könne sein, dass sich hinter dem hohen Geldbetrag eine Spielsucht oder Immobilienschulden verbergen. Auch bei mittelgroßen Summen ist Skepsis angebracht. «Ich kenne solche Fälle, in denen herauskam, dass das nicht die einzigen 50 Euro waren, die der Freund sich geliehen hat», berichtet Schuldnerberater Wiedenhaupt. Zunächst sollte der Freund seinen Bekannten mehrmals darauf ansprechen, rät Wiedenhaupt. Führt das nicht zum Erfolg, ist es ratsam, die Enttäuschung klar zu artikulieren, zum Beispiel indem er sagt: «Ich habe mich auf dich verlassen, dir vertraut.»

Kommt auch daraufhin nichts zurück, sollte man sich überlegen, ob es sich überhaupt um einen richtigen Freund handelt. Darauf nicht zu reagieren, «das macht man eigentlich nicht», sagt Wiedenhaupt. Will der Freund das Geld unbedingt wieder haben, kann er letztlich auch rechtliche Schritte einleiten. Der Weg ist der gleiche, den auch andere Schuldner gehen müssen: mahnen – titulieren – vollstrecken.

Allerdings müsse der Freund nachweisen können, wie viel Geld er verliehen hat, erklärt Wiedenhaupt.

Kann der Freund nicht glaubhaft machen, dass er das Geld verliehen hat, hat er Pech gehabt. «Zumindest große Summen sollte man deswegen wirklich nicht verleihen», empfiehlt Wiedenhaupt. «Aus meiner Berufserfahrung kann das zur Zerstörung einer Freundschaft führen.»

Fotocredits: Jens Kalaene
(dpa/tmn)

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