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Springer und die Post

Zumwinkels großer Coup: Das vermeintlich unmoralische Verhalten des Post-Chefs wird von den Medien infrage gestellt. Besonders der Springer-Konzern bläst zum Angriff.

Kurz nach dem Koalitionsbeschluss zum Post-Mindestlohn hat Zumwinkel Aktien im Wert von 4,7 Millionen Euro verkauft. Politiker zeigten sich, vor allem in der Bild-Zeitung, entrüstet. Der Kurs der Wertpapiere war nach Bekanntgabe des rot-schwarzen Beschlusses deutlich angestiegen. Rainer Brüderle (FDP) bezeichnete das Verhalten des Wirtschaftsbosses als „Monopoly-Spiel“, Christine Scheel (Grüne) nannte es „moralisch verwerflich“. Die offizielle Stellungnahme der Deutschen Post erklärt den Verkaufscoup zu Privatsache und versucht, die Wogen zu glätten. Zu spät?

Nicht alle Medien beteiligen sich an der Hetzjagd, die von einigen Blättern mehr oder weniger mitausgelöst worden ist. Das öffentliche Interesse an der Personalie Zumwinkel aber ist groß – insbesondere, nachdem Bundeskanzlerin Merkel sich auf dem CDU-Parteitag betont sozial gab und exorbitante Manager-Gehälter kritisierte. Die Aktien, die Zumwinkel verkauft hat (mehr als 200.000 Stück), sind Teil seines Entgelts.

Die Personalie Zumwinkel ist nur ein Detail im Stellvertreterkrieg zwischen Springer und der Deutschen Post.

Tatsächlich wird hier vom Springer-Konzern ein Ablenkungsmanöver veranstaltet. Dem Medienhaus gehört die Pin AG, eine der privaten Post-Konkurrenz-Firmen. Pin hatte – in Konsequenz auf den Koalitionsbeschluss zum Mindestlohn – angekündigt, rund 1.000 Arbeitsplätze abzubauen. Da passt es der Springer-Presse natürlich gut, wenn Zumwinkel mit seiner etwas peinlichen Aktion für Post-feindliche Schlagzeilen sorgt.

Dass sein Aktien-Portfolio letztlich nur ihn selbst etwas angeht, wird da schnell vergessen. Die Bild-Zeitung sorgt im Übrigen schon seit längerer Zeit mit Post-feindlichen Artikeln für Unmut bei ihren Lesern. Enspricht das, angesichts der Springer-Tochter Pin AG, objektiver Berichterstattung?

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