Schwellenländer können Depot ergänzen

Berlin/Köln – Sogenannte Schwellenländer gelten regelmäßig als die Wunderwaffe, um der eigenen Geldanlage richtig Schwung zu verleihen. Gerade jetzt, wo Sparkonten und Lebensversicherungen seit Jahren nur noch niedrige Zinsen abwerfen, sollen Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern zusätzliche Rendite bringen. Allerdings sollten sich Anleger bewusst sein, dass eine Geldanlage in Schwellenländer nicht ohne Risiko ist.

In der Finanzbranche zählen je nach Definition China, Korea, Südafrika, Russland, die Türkei oder Brasilien zu den Schwellenländern. Das Argument der Schwellenländer-Enthusiasten geht so: Die Wirtschaft in diesen Ländern wächst viel schneller als die in reifen Industriestaaten wie den USA oder Deutschland.

Keine Garantie für rasantes Wachstum

«Das Wirtschaftswachstum schlägt sich nicht immer auf die Aktienkurse nieder», warnt allerdings Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Forschungsinstituts. Zur Vorsicht mahnt auch Yann Stoffel von der Stiftung Warentest. «Schwellenländer haben ein höheres Kursrisiko, die Schwankungen sind größer. Und auch politisch gibt es höhere Risiken.»

Die Zahlen zeigen ein durchwachsenes Bild. Der Aktienindex MSCI Emerging Markets bildet die Entwicklung von mehr als 1000 Unternehmen aus 26 Ländern ab. Seit dem Jahr 2000 legte der Index für deutsche Anleger pro Jahr um knapp 7,8 Prozent zu. Der wichtige MSCI World, ein Index auf Unternehmen aus Industriestaaten, stieg im gleichen Zeitraum jährlich um vergleichsweise magere 4,3 Prozent, zeigen Daten des
Finanzdienstleisters MSCI.

Je nach Zeitraum: Hohe Rendite oder Schwankungen

Schaut man allerdings auf andere Zeithorizonte, sind die Zahlen nicht mehr so beeindruckend. In den letzten zehn Jahren etwa war der MSCI World fast doppelt so stark wie der Index auf die Emerging Markets. In einzelnen Jahren rutschten die Schwellenländer sogar ins Minus, während der Welt-Index deutlich im Plus lag.

Was aber für die Emerging Markets spricht, ist eine Regel der Geldanlage: die Streuung des Risikos. Wer bei seiner Geldanlage der Standard-Empfehlung der Finanzexperten für Kleinanleger folgt, kauft in der Regel einen Indexfonds, einen ETF. Der soll in seiner Entwicklung einem Index folgen, der möglichst breit gestreut ist.

MSCI World umfasst nur 23 Länder

Zum Beispiel dem MSCI World. In dem Index stecken gut 1600 Aktien aus 23 Ländern – darunter allerdings weder China noch ein südamerikanisches, afrikanisches oder arabisches Land. Die Unternehmen stammen alle aus Industrieländern, den größten Anteil haben US-Unternehmen. In den vergangenen Jahren hat vor allem der Aktienmarkt der USA die Kursgewinne des MSCI World getrieben.

Doch die Vergangenheit ist keine Garantie für die Kursentwicklung in der Zukunft, bemüht Mayer ein Börsensprichwort. «Wer weiß, wie lange es in Amerika noch so gut läuft wie zuletzt. Daher kann man schon Aktien aus den Schwellenländern dem Depot beimischen. Warum nicht in den chinesischen Onlinehändler Alibaba investieren, wenn man auch Aktien von Google und Amazon hat?» Das streue das Risiko.

Beimischung senkt Schwankungsrisiken

«Sind Aktien aus Schwellenländern im Depot nur beigemischt, relativiert sich auch die Gefahr von Schwankungen», sagt Stoffel von der Stiftung Warentest. Zwischen zehn und 30 Prozent kann der Anteil am Aktiendepot ausmachen, so der Rat.

Am einfachsten ist es, einen der Indexfonds zu kaufen, die Industriestaaten mit Emerging Markets kombinieren. Stoffel empfiehlt ETF auf die Indizes MSCI All Country World, FTSE All World oder MSCI All Country World IMI. Der Anteil der Schwellenländer beträgt dabei gut zehn Prozent.

Fotocredits: Swen Pförtner,Franziska Gabbert,Marc Comes,Stiftung Warentest
(dpa/tmn)

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