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Hit the road, Jack – Reisen mit Sofa Surfing

Vor einiger Zeit war mein Freund Felix mich besuchen. Felix, der schon seit seinem Abi-Schüleraustausch in Australien lebte, und der alles getan hatte, was ich auch immer tun wollte: Raus aus Dunkeldeutschland, Karriere-Ideen an den Nagel hängen, ein Haus in Tasmanien bauen und in lauen Sommernächten den Opossums im Outback lauschen.

Für einige Monate kam Felix nun nach Europa, um zu reisen. Natürlich machte er auch bei mir in Berlin Halt, und erzählte mir davon, wie er verdammt günstig in ganz Europa jede Nacht einen Schlafplatz für umsonst hatte und nebenbei einen Haufen netter Leute kennen lernte.

Couch Surfing nennt sich diese wahrscheinlich billigste und spannendste aller Übernachtungsvarianten. Das Ganze funktioniert folgendermaßen. Im Internet kann man sich bei Couch Surfing anmelden und auf Sofas der ganzen Welt von Afghanistan bis Zimbabwe übernachten. Couch Surfing ist nicht nur eine billige Schlafgelegenheit, sondern ein Netzwerk von Menschen, die gern reisen und die nicht nur billig übernachten möchten, sondern sich darüber hinaus für kulturellen Austausch und Toleranz unter den Völkern einsetzen.

In der Praxis kann Couch Surfing zum Beispiel so aussehen: Man legt unter www.couch-surfing.com einen Account an. Will man demnächst beispielsweise für zwei Wochen durch Europa reisen, in Amsterdam ankommen und in Florenz wieder abfliegen, sucht man für die jeweiligen Übernachtungen andere Couch-Surfer_innen, die einem in dieser Zeit Obdach gewähren. Die Übernachtungen sind kostenlos, doch gibt es eine Art Ehrenkodex. Das heißt, dass man sich in irgendeiner Weise bei seinem/seiner Gastgeber_in revanchiert, indem man abspült, einkaufen geht, oder vielleicht ein Abendessen kocht und eine Flasche Wein spendiert. Natürlich ist es jedem selbst überlassen zu entscheiden, auf welche Art und Weise man sich bedankt.

Couch Surfer auf der ganzen Welt sind begeistert von dieser ungewöhnlichen Art zu reisen. Und zugegeben, sicherlich ist es wesentlich interessanter bei Einheimischen zu leben, die nicht nur die touristischen Orte, sondern auch Sehenswürdigkeiten ihrer Heimat kennen, die man als Tourist_in möglicherweise niemals gesehen hätte. Ich jedenfalls habe mir fest vorgenommen das Ganze einmal auszuprobieren und eine Couch Surferin zu werden. Vielleicht sollte ich mit Paris anfangen, und dann langsam in Richtung Süden weitersurfen?


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