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Die Geschichte der Stiftung hat religiöse Wurzeln

Stiftungen können auf eine lange Geschichte zurückblicken. Sie entstanden im Mittelalter. Wohlhabende Stifter hofften, durch Mildtätigkeit und Abtretungen an die Kirche den Wohlgefallen Gottes zu erlangen und sich gleichzeitig den Weg in den Himmel zu ebnen. Aus der heutigen Sicht mag dies lächerlich oder profan klingen. Doch wer so denkt, vergisst, welche Macht die Kirche im Mittelalter besaß und mit welcher Frivolität sie gottesfürchtige Menschen gefügig machte und ihre Geldbeutel öffnete. Einen Platz im Paradies und den Gefallen Gottes erreichte man durch das Prinzig quid pro quo, Geld gegen Himmel, Güter gegen göttliches Wohlwollen.

Dies wusste auch Jakob Fugger. Im Jahre 1521 stiftete er die älteste, heute noch bestehende Sozialsiedlung der Welt, die Augsburger Fuggerei. Sie besteht aus 67 Häusern, die im Reihenhausprinzip beziehungsweise im Mehrhausprinzip gebaut sind und in denen heute zirka 150 bedürftige Augsburger katholischen Glaubens leben. Die Jahresmiete einer Wohnung in der Fuggerei beträgt weniger als ein Euro, Nebenkosten wie Strom, Wasser und Heizung zahlen die Mieter selbst. Im Austausch für das Privileg, zu einem symbolischen Mietpreis in einer gepflegten historischen Siedlung zu wohnen, sprechen die Bewohner der Fuggerei täglich ein Ave Maria, ein Glaubensbekenntnis und ein Vaterunser für den Stifter und seine Familie.

Stiftungen im Mittelalter

Das Mittelalter brachte jedoch nicht nur mildtätige Stiftungen hervor. Viele der diesem Zeitalter entsprungenen Stiftungen sind Gedenkstiftungen mit dem einzigen Zweck, das Andenken an den Stifter lebendig zu halten. Nicht wenige Adlige stifteten Klöster, die nach demselben Prinzip funktionierten, wie die Augsburger Fuggerei. Eine Familie oder ein einzelner Adliger spendeten Grundbesitz, finanzierten den Bau einer Klosteranlage und stellten das Grundkapital. Im Gegenzug verpflichtete sich das Kloster, das Andenken des Stifters oder der Stifterfamilie zu erhalten.

Zum Zwecke des Gedenkens stifteten Adlige gelegentlich auch kirchliche Utensilien und Mobiliar, wie zum Beispiel Vortragekreuze und Altarplatten. Solche Utensilien haben den Vorteil, dass sie bei sachgerechter Handhabung extrem haltbar sind. Das Otto-Mathilden-Kreuz, gestiftet im 10. Jahrhundert, ist Teil des Essener Domschatzes.

Es ist verwunderlich, dass sich die Institution der Stiftung über die Jahrhunderte erhalten hat. Europa sah auf der Weltkarte im Mittelalter völlig anders aus als heute. Kleinstaaten und Fürstentümer bildeten das heutige Deutschland. Kriege wurden ausgefochten, Denkmäler, Siedlungen und Klöster vernichtet. Die Rechtsprechung hat sich vom Mittelalter bis in die heutige Zeit so häufig geändert, dass ein Nachzählen unsinnig wäre. Trotzdem ist der Stiftsgedanke erhalten geblieben und mit ihm zusammen auch viele Stiftungen.

Beispielhafte Stiftungen

In, geschichtlich betrachtet, jüngster Zeit, war der Nationalsozialismus fatal für viele Stiftungen. Enteignungen und Ruin ließen viele Stiftungen zum Erliegen kommen. Erst mit der Neuordnung nach Kriegsende gab es wieder Neugründungen von Stiftungen.

Animierend auf potentielle Stifter wirkt sich dabei aus, dass Stiftungen mitnichten rein altruistische Einrichtungen sind. Es fühlt sich eben nicht jeder bemüßigt, das Volk durch Bibliotheken zu bilden oder alten Menschen das Mittagessen täglich frei Haus zu liefern. Stiftungen ermöglichen eine Vermögensverwaltung weit über den Tod des Spenders hinaus, genießen unter bestimmten Bedingungen Steuererleichterungen und sind sogar dazu geeignet, die Führungsnachfolge in Unternehmen zu sichern. Dies ist der Grund, warum gelegentlich das Wörtschen „Stiftung“ hinter Unternehmensnamen zu finden ist, siehe Lidl Stiftung und Siemens Stiftung.

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