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Deutsche vererben und verschenken deutlich mehr als gedacht

Deutsche vererben und verschenken deutlich mehr als gedacht

In den kommenden Jahren werden die Deutschen vermutlich bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr an ihre Nachkommen vererben oder verschenken, das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor.

Exakte Zahlen über das Vermögen der Deutschen fehlen

In der Bundesrepublik wird statistisch sehr viel erfasst. Was Herr M. pro Jahr verdient, das weiß das Finanzamt. Wie lange Herr P. schon Harz-IV empfängt, das weiß das Jobcenter. Ob Herr E. seinen Kindern Geld schenkt, das bleibt bis zu einer gewissen Summe unter dem Radar.

Eine staatliche Einrichtung, welche die Vermögen der Bürger genau beziffert, gibt es nicht. Auch eine Stelle, die Kenntnis darüber hat, ob und wie viel Vermögen steuerfreu übertragen wird, fehlt.

Vererben die Eltern ihr Eigenheim, wird dafür keine Erbschaftssteuer fällig, sofern der Wert des Elternhauses den Freibetrag von 400.000 Euro nicht überschreitet. Verschenken die Großeltern einige Tausend Euro an Ihre Enkelkinder, werden dafür keine Abgaben fällig.

Erbvolumen steigt um etwa ein Viertel

„Die Summen, die in den kommenden Jahren vererbt und verschenkt werden, dürften um einiges größer ausfallen, als bisher angenommen wurde“, so Studienautor Markus M. Grabka. Nach Hochrechnungen im Rahmen der DIW-Studie beläuft sich das Erbvolumen zwischen 2012 und 2027 auf bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr. Bisher ging man von etwa 300 Milliarden Euro aus.

„Diese neuen Zahlen sollten ein Anstoß sein, das aktuelle Regime der hohen Freibeträge in der Erbschafts- und Schenkungsteuer auf den Prüfstand zu stellen“ sagt Studienmitautorin Anita Tiefensee von der Hans-Böckler-Stiftung.

Sollte die Erbschaftssteuer reformiert werden, damit die Kluft zwischen Arm und Reich nicht immer größer wird? Fest steht: Das Vermögen der Deutschen ist ungleich verteilt. Die Freibeträge für Erbschaften und Schenkungen relativ hoch. Die Experten hinter der Studie raten zum Umdenken.

Langzeitstudie dient als Basis

Für die Hochrechnung nahm man den Vermögensbestand der über 70-Jährigen im Jahr 2012 als Basis. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) diente als Grundlage – die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Seit 1984 werden statistische Daten aus etwa 15.000 Haushalten erhoben. Die Umsetzung übernimmt das Umfrageinstitut Kantar Public (früher TNS Infratest Sozialforschung). Abgefragt werden Auskünfte über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit von immer den gleichen Personen.


Bildquelle: Thinkstock, 186346379, iStock, kunertus

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